|
Es gibt viele Möglichkeiten zum Aufbau einer Briefmarkensammlung. Am verbreitetsten sind Ländersammlungen, die allerdings zu einer gewissen Eintönigkeit führen. Das hat häufig zur Folge, dass sich Sammler spezialisieren und beispielsweise Briefmarken, Stempelbelege, Ganzsachen und sonstige philatelistische Belege, die einem bestimmten Motiv zuzuordnen sind, sammeln, also eine Motivsammlung anlegen. Ein sehr beliebtes Motiv ist das Motiv "Pfadfinder", was nicht zuletzt daran liegt, dass es weltweit über 30 Millionen aktive Pfadfinder und Pfadfinderinnen und viele Millionen mehr ehemalige Pfadis gibt. Die erste Pfadfinderbriefmarke wurde 1925 von der Ungarischen Post herausgegeben. Sie zeigt einen Pfadfinder mit einer Fanfare vor einem Zeltlager (Abb. 1).
Abb. 1 Aber schon vorher, bei der Gründung der Tschechoslowakei im November 1918, gab es Pfadfinder-Marken (Abb. 2). Sie wurden damals von Prager Pfadfindern für den lokalen Postdienst benutzt. Briefe, die den Pfadfindern zur Zustellung übergeben wurden, wurden mit diesen Marken versehen. Die Pfadfinder erhielten für die Zustellung den auf den Marken verzeichnete Betrag. Belege mit diesen Marken und entsprechenden Stempeln (Abb. 3) sind historische Belege und entsprechend wertvoll.
Abb. 2
1920/21 gab die Thailändische Post 3 Briefmarken- und Postkarten-Sätze mit Zuschlag für den Pfadfinder-Fond heraus. Es sind die bekannten "Tigerkopf"-Ausgaben. Die Abbildung 4 zeigt die I. Serie. Alle Sätze sind relativ selten und deshalb teuer. Kein Wunder also, dass häufig Fälschungen angeboten werden.
Abb. 4 Bis zum Beginn des II. Weltkriegs gaben auch die Postverwaltungen von Liechtenstein, Litauen, Polen, Rumänien und der Türkei Pfadfinderbriefmarken heraus. Der Anlass war vielfach ein nationales Pfadfinder - Jamboree oder - wie im Falle Ungarns - das Welt -Pfadfinderjamboree von 1933 in Gödöllö. Die Abb. 5 zeigt die 5 Sondermarken der Ungarischen Post zum Weltjamboree und die türkische Pfadfindersondermarke von 1938.
Abb. 5 Neben Pfadfinderbriefmarken wurden auch Sonderstempel aufgelegt. Die Abbildung 6 zeigt einen Luftpostbrief mit dem Sonderstempel zum Weltjamboree in Gödöllö, 1933, und eine Postkarte mit dem Sonderstempel zum 2. Nationaljamboree der litauischen Pfadfinder 1938 in A. Panemune.
Abb. 6 Die Anzahl der
Pfadfinder-Briefmarkenausgaben und Sonderstempel vor dem II. Weltkrieg bzw.
nach 1945 bis 1960/61 hält sich in Grenzen und ist noch überschaubar. In den
60-igern setzte dann eine wahre Flut von Pfadfinderausgaben, Sonderstempeln,
Freistempeln und sonstigen Belegen ein, die bis heute nicht abgeebbt ist. Man
kann davon ausgehen, dass es heute einige tausend Pfadfinderbriefmarken und
Blocks gibt, wobei man über einige Ausgaben nur "den Kopf schütteln" kann. Es
gibt nichts, was es nicht gibt.
Abb. 7
Seit längerem werden Pfadfinder-"Briefmarken" von einigen russischen autonomen Gebiete angeboten. Diese Gebiete haben aber keine Posthoheit, d.h. es gelten nur die Postmarken der Russischen Post. Es sind somit ebenfalls illegale Marken. Die Abbildung 8 zeigt illegale Pfadfinder-"Briefmarken" von Dagestan. Man könnte meinen, dass es schon in der Steinzeit Pfadfinder gab.
Abb. 8 Im Englischen werden illegale
Marken "Cinderellas" genannt, zu deutsch Vignetten, besser Verschlussmarken.
Denn solche Marken sind eher zum Verschließen von Briefumschlägen
nütze. Wer gern mehr erfahren und
sich auf dem Laufenden halten möchte, sollte diese Internetseiten aufrufen: Nun wird der Leser möglicherweise
geneigt sein, sein Vorhaben, Pfadfinderbriefmarken zu sammeln, ganz schnell ad
acta zu legen, weil er erkannt hat, dass es nicht nur teuer sondern so gut wie
unmöglich ist, alles komplett zusammenzutragen. Aber wer sagt denn, dass die
Sammlung von vorne bis hinten komplett sein muss. Grundsätzlich ist es jedem
selbst überlassen, das zu sammeln, was ihm Spaß macht. Die Deutsche Postpost hat bisher 2 Pfadfinder - Sonderbriefmarken herausgegeben (Abb. 9). 1961 gab es die grüne 10 Pfg. Marke zum 50. Gründungsjahr der deutschen Pfadfinderbewegung. Auf der Marke ist St. Georg, der Schutzpatron der Pfadfinder, dargestellt. Die 2. Sondermarke gab es 1985 anlässlich der 30. Weltpfadfinderkonferenz in München.
Abb. 9
Außer den 2 Sondermarken wurden bisher ca. 150 Pfadfindersonder- und 300 Wertstempel bewilligt. Die Abbildung 10 zeigt einige Beispiele. Daneben gibt es Ersttagsbriefe, Sonderumschläge und dgl. mehr. Dem "Deutschland" - Sammler ist ebenfalls empfohlen, sich nicht zu verzetteln, sondern ein Thema aufzugreifen und durch mancherlei philatelistische Belege zu dokumentieren, z.B. "Bundeslager deutscher Pfadfinderbünde". Wie bereits oben bemerkt muss eine solche Sammlung nicht von vorne bis hinten komplett sein.
Abb. 10
1.) Klassische Ausgaben (1914 bis 1940), 2.) Frühe Nachkriegsausgaben 1945 bis 1957 (1957 wurde des Jubiläumsjamborees in Sutton Coldfield abgehalten) und 3.) Neuere Ausgaben ab 1960. Eine Sonderstellung nimmt die Mafeking-Notausgabe ein, die im Jahre 1900 während der Belagerung der Stadt durch burische Truppen Verwendung fand. Auf einer der Marken ist Baden-Powell, der Gründer der Pfadfinderbewegung abgebildet (Abb. 11), auf einer anderen der Bube Goodyear mit seinem Fahrrad, den Baden-Powell später als seinen ersten Pfadfinder bezeichnete (Abb. 12). Aber von Pfadfinderei, so wie wir sie heute kennen, war damals noch keine Rede. Diese Marken passen eher in eine Sammlung, die sich mit dem Leben Baden-Powells beschäftigt. Briefbelege mit den Marken sind sehr selten.
Abb. 11 / 12
Das 3. Pfadfindergebot in der
Originalfassung von BiPi lautet:
A Scout's duty is to be useful and to help others. Frei übersetzt
könnte das heißen: Wir wollen helfen, wo wir gebraucht werden.
Abb.
13
Abb. 14 An dieser Stelle sei auf die
beiden Veröffentlichungen zu diesen Themen aufmerksam gemacht (siehe unter >>shop>>literatur). Auch aus der Zeit von 1945 bis
Anfang 1960 gibt es begehrte Raritäten, so z.B. Pfadfinderpostbelege aus den
Flüchtlingslagern (D.P. camps in Deutschland - Abb. 15), Belege von den Jamborees
1947 in Frankreich, 1951 in Österreich, 1955 in Kanada und vom
Jubiläumsjamboree 1957 in England, den Zypernblock von 1963, um nur ein paar zu
nennen.
Abb. 15 Auch die "neuere" Zeit hat etwas zu bieten, z.B. Belege vom "Prager Frühling" 1968 (Abb. 16), die Pfadfinder-Feldpost in Bangladesh, Belege von den Welt- und nationalen Jamborees.
Abb. 16
Aber es muss an dieser Stelle noch einmal deutlich gesagt werden, dass eine Pfadfinder - Motivsammlung nicht nur dann etwas zählt, wenn die allergrößten Raritäten enthalten sind. Auch echt gelaufene Briefstücke z. B. aus einem Pfadfinderlager mit schöner Frankatur und Sonderstempel, vielleicht zusätzlich noch mit Lagerstempel, an die Eltern oder an einen Freund sind Raritäten, da sie nur einmal existieren. Man kann einen solchen Belege in seiner Sammlung genau so herausstellen wie einen Spitzenbeleg. Außerdem ist er für den Sammler ein kostbares Erinnerungsstück, das mit der Zeit auch seinen Wert bekommt. Zusammengefasst lässt sich sagen, dass die Pfadfinder-Philatelie das Sammeln von postalischen Pfadfinderbelegen aller Art beinhaltet. Dem Sammler sei aber an dieser Stelle auch empfohlen, seine Belege nicht nur in sein Album zu stecken sondern sich auch mit geschichtlichen Hintergründen zu beschäftigen. Das sollte überhaupt der Sinn einer Sammlung sein. Neben postalischen Belegen lassen sich z.B. auch Künstlerpostkarten, Fotos, Urkunden u.ä. in eine Sammlung einbauen. Dadurch kann das Thema weiter vertieft werden. Es sei noch erwähnt, dass es weltweit mehrere Pfadfinder- Sammlergemeinschaften gibt. Davon haben sich einige zur IFSCO (International Federation of Scout and Guide Collecting Organizations) zusammengeschlossen (siehe unter >>links >> IFSCO). Durch den Zusammenschluss wird ein Austausch von Informationen und Anregungen möglich. Darüber hinaus werden gemeinsame Ausstellungen durchgeführt. Im Jahr 2006 wird eine solche internationale Ausstellung, die EUROSCOUT 2006, in Alcalá de Henares bei Madrid stattfinden.
|